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07.06.2016

Rätselhaftes Hormon

Diabetes ist weit verbreitet, entsprechend intensiv sind die Forschungsaktivitäten rund um diese Volkskrankheit. Amerikanische Forscher sind bei der Suche nach den Ursachen der Stoffwechselkrankheit durch einen Zufall auf eine neue Spur gestossen


Das Wiedemann-Rautenstrauch-Syndrom ist eine extrem seltene Krankheit, von der weltweit nur rund ein Dutzend Menschen betroffen ist. Kinder mit diesem Leiden haben das Aussehen von Greisen, was auf eine Störung des Fettgewebes zurückzuführen ist. Ein Wissenschaftlerteam aus Houston (Texas/USA) hat das Erbgut von Patientinnen und Patienten mit dem Wiedemann-Rautenstrauch-Syndrom untersucht und ist dabei auf ein bisher unbekanntes Hormon gestossen. Der Stoff mit dem Namen Asprosin steigert im Blut den Anteil von Glukose (Zucker) und Insulin, wie die Forscher vor kurzem im Fachmagazin 'Cell' berichteten. Damit stellt sich die Frage, ob der Stoff womöglich für die Behandlung von Diabetes bedeutsam sein könnte.

Rolle bei Diabetes?

Ein erhöhter Wert von Glukose und Insulin ist nämlich charakteristisch für Menschen, die an Diabetes Typ 2 leiden. Bei diesen Patienten wird das von der Bauchspeicheldrüse produzierte Insulin von den Körperzellen nicht mehr richtig aufgenommen. Diese Fehlfunktion – Fachleute sprechen von Insulinresistenz – führt einerseits zu einem erhöhten Blutzuckergehalt, andererseits aber auch zu erhöhten Insulin-Werten, weil der Körper 'glaubt', durch eine verstärkte Insulin-Produktion die Insulinresistenz ausgleichen zu können. Vor diesem Hintergrund stellen sich Wissenschaftler nun die Frage, ob das Hormon Asprosin bei Patientinnen und Patienten mit Typ 2-Diabetes eine Rolle bei der Regulierung des Blutzuckers spielt und sogar einen Ansatzpunkt für neue Behandlungen oder für diagnostische Zwecke bieten könnte.

Insulinempfindlichkeit verbessern

„Pharmakologische Ansätze zur Hemmung von Asprosin, etwa durch spezifische Antikörper, könnten nach den Daten der aktuellen Studie den Blutzucker senken und die Insulinempfindlichkeit verbessern“, sagt Prof. Dr. med. Matthias Blüher, Oberarzt an der Klinik und Poliklinik für Endokrinologie und Nephrologie am Universitätsklinikum Leipzig. Denkbar ist für Blüher auch, dass durch eine Hemmung von Asprosin das Übergewicht vermindert werden könnte, an dem viele Diabetes-Patientinnen und -Patienten leiden. „Weitere Forschung ist nötig, um das neu entdeckte Hormon und seine Wirkungsmechanismen vertieft zu verstehen; bisher ist mir von entsprechenden Forschungsaktivitäten im deutschsprachigen Raum noch nichts bekannt“, sagt Prof. Blüher.

 

Quelle: interpharma.ch