sprache:
suche
Kontakt
careforce switzerland ag
19.09.2017

Wenn Immunzellen Krebszellen angreifen

Immuntherapien nehmen einen immer grösseren Raum bei der Behandlung von Krebspatienten ein. Eine an der Universität Lausanne entwickelte neue Methode hilft, diese Behandlungen noch treffsicherer zu machen und Nebenwirkungen zu reduzieren.


Vor allem Patienten, bei denen die Krebserkrankung fortgeschritten ist und der Tumor Metastasen gebildet hat, werden heute mit Immuntherapien behandelt. Bei diesen Therapien wird das körpereigene Immunsystem dazu angeregt, die schädlichen Krebszellen zu bekämpfen und so die Krankheit einzudämmen. Das gelingt heute beim Schwarzem Hautkrebs und Tumorerkrankungen von Lunge, Blase und diversen anderen Organen. „Heute kann bei ungefähr einem Viertel der Patientinnen und Patienten mit einem fortgeschrittenen Krebsleiden eine Immuntherapie angewendet werden, und schon bald werden diese Therapien auch bei Personen eingesetzt, bei denen die Erkrankung noch weniger weit fortgeschritten ist“, sagt Prof. Daniel Speiser vom Departement für Onkologie an der Universität Lausanne.

 

Nebenwirkungen eindämmen

Daniel Speiser und seine Kollegin Prof. Nathalie Rufer haben nun mit ihrem Forscherteam eine Methode entwickelt, welche das Zeug hat, bestehende und künftige Immuntherapien noch wirksamer zu machen. „Die Immunzellen, die bis anhin gegen die Krebszellen in Stellung gebracht werden, wirken heute leider noch nicht mit einer optimalen Spezifität, das heisst, sie greifen nicht nur Krebszellen an, sondern auch gesundes Gewebe, was sich für die Patienten in unliebsamen Nebenwirkungen äussert, beispielsweise Entzündungen von Darm oder Lunge.“ Mit der in Lausanne entwickelten Methode lässt sich nun besser erkennen, welche Zellen für diese Nebenwirkungen verantwortlich sind und welche dagegen tatsächlich die erwünschte Antikrebs-Wirkung haben. „Die Methode wird insbesondere der Forschung helfen, Immuntherapien so fortzuentwickeln, dass weniger Nebenwirkungen auftreten“, sagt Daniel Speiser.

 

Bindung zwischen Immun- und Krebszelle

Die von den Wissenschaftlern entwickelte Methode ist in der Lage, die Bindungsstärke zwischen Immunzellen und Krebszellen zu messen. Die Bindungsstärke bezieht sich auf die sogenannten T-Zell-Rezeptoren, sie sich auf der Oberfläche von T-Zellen befinden und die es ihnen ermöglicht, bestimmte Viren, Bakterien oder Krebszellen zu erkennen und zu zerstören. Die Stärke der Bindung zwischen T-Zellen-Rezeptoren und Krebszellen ist kennzeichnend dafür, wie effektiv die T-Zelle gegen die Krebszelle vorgehen kann. Die Wissenschaftler konnten nachweisen, dass die T-Zellen mit der optimalen Bindungsstärke nicht nur am intensivsten mit Krebszellen interagieren, sondern sich auch am meisten vermehren, die stärkste Zytotoxizität aufweisen und somit Krebszellen am effizientesten töten. Diese Forschungsergebnisse, die bereits zu mehreren wissenschaftlichen Publikationen geführt haben, waren unter anderem dank Unterstützung der Wilhelm Sander-Stiftung möglich geworden. Diese private Stiftung fördert die medizinische Forschung in Deutschland und der Schweiz.

 

Quelle: Samuel Enderli, www.interpharma.ch