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09.10.2017

Höhere Bildung, mehr Gesundheits-Leistungen?

Welche Rolle spielt das Bildungs- und Einkommensniveau in der Schweiz bei der Nutzung von Gesundheitsleistungen? Eine neue Studie des Bundesamts für Statistik (BfS) ist dieser Frage nachgegangen. Die Antworten sind differenziert.


Die Schweiz hat ein gut ausgebautes Gesundheitswesen, das dank einem breiten Leistungskatalog und Prämienverbilligungen eine gute Grundversorgung für alle sicherstellt. Dennoch gibt es gewisse Unterschiede beim Gesundheitszustand und in der Inanspruchnahme von Gesundheitsleistungen nach Bildungsabschlüssen und/oder Einkommensklassen. Eine neue Studie des BfS hat sich diesen Unterschieden angenommen und sie anhand von Daten der Schweizerischen Gesundheitsbefragung 2012 untersucht.

 

 

Höherer Bildungsabschluss, mehr Spezialistenbesuche

Die Analyse zeigt, dass Menschen mit höherem Bildungsniveau und deshalb meist höheren Einkommen tendenziell mehr Gesundheitsleistungen in Anspruch nehmen, also z.B. mehr zum Arzt oder zur Zahnärztin gehen. Allerdings gibt es Unterschiede bei den Leistungserbringern: So suchen Menschen mit höherem Bildungsabschluss häufiger eine Spezialistin auf, während Menschen mit tieferem Bildungsabschluss häufiger zu einem Generalisten gehen. Zudem haben letztere auch öfter einen Hausarzt oder eine Hausärztin. Unterschiede gibt es auch bei den Besuchen von Frauenärztinnen: Frauen mit hohen Einkommen suchen häufiger eine Gynäkologin auf als Frauen mit tieferen Löhnen.

Diese Leistungen werden in der Regel von der Grundversicherung vergütet. Bei Leistungen, die nicht von der Grundversicherung abgedeckt sind, sind die Unterschiede grösser: So suchen Menschen mit tiefen Einkommen weniger regelmässig einen Zahnarzt auf als Menschen mit hohen Einkommen. Noch ausgeprägter sind die Unterschiede beim Besuch von Dentalhygienikerinnen.

 

 

Keine Unterschiede bei der Brustkrebsfrüherkennung

Auch bei den Vorsorgeuntersuchungen zeigen sich gewisse Unterschiede: So begeben sich Menschen mit höheren Bildungsabschlüssen tendenziell eher in Früherkennungsabklärungen insbesondere gegen Gebärmutterhals- oder Hautkrebs als Personen mit tieferen Bildungsabschlüssen. Bei der Früherkennung von Brustkrebs durch Mammografie-Screening scheint es hingegen keine solchen Unterschiede zu geben und das Bildungs- oder Einkommensniveau keine Rolle auf die Inanspruchnahme zu spielen. Dies könnte gemäss Studie zwei Gründe haben: Einerseits wird die Mammografie seit Langem beworben und empfohlen. Zudem ist sie einfach zugänglich, womit der sozio-ökonomische Hintergrund eine geringere Rolle spielen dürfte. Andererseits könnte es auch sein, dass die Warnungen vor einer Überdiagnose bei Frauen, die sehr auf ihre Gesundheit achten, Wirkung gezeigt haben. Dies könne insbesondere bei gut ausgebildeten Frauen zutreffen, die sonst tendenziell mehr Vorsorgeuntersuchungen in Anspruch nehmen, es aber mit diesem Wissen nun eben nicht tun.

Quelle: Samuel Enderli, www.interpharma.ch