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22.08.2017

Emotionen bleiben haften

Warum erinnern wir uns an emotionale Erlebnisse wie eine Hochzeit oder eine Prüfung besonders gut? Ein internationales Forscherteam mit Basler Beteiligung hat auf diese Frage neue Antworten gefunden.


Die Transfakultäre Forschungsplattform Molecular and Cognitive Neurosciences (MCN) der Universität Basel versteht sich als Hub für neurowissenschaftlich orientierte psychologische und psychiatrische Forschung.

Erlebnisse, die von grosser Freude, Angst oder anderen Emotionen begleitet sind, bleiben im Gedächtnis besonders lange und detailreich haften. Warum das so ist, haben nun Forscherinnen und Forscher der Universität Basel gemeinsam mit Kollegen aus den Niederlanden und den USA herausgefunden. Verantwortlich dafür, dass emotionale Erlebnisse im Gedächtnis besonders gut präsent bleiben, ist demnach der Botenstoff Noradrenalin, der während emotionalen Erlebnissen im Gehirn ausgeschüttet wird. Das konnten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler bei Experimenten mit Ratten nachweisen. Über ihre Resultate berichteten sie jüngst im Wissenschaftsmagazin PNAS.

 

Eine gute und eine schlechte Box

Die erhöhte Konzentration von Noradrenalin im Gehirn während des Erlebnisses führte dazu, dass sich die Tiere vier Wochen später stärker und genauer an das Erlebte erinnerten. Wie aber gelingt den Forscherinnen und Forschern das Kunststück, die Erinnerungsfähigkeit von Ratten zu untersuchen? Dazu Dr. Vanja Vukojevic von der transfakultären Forschungsplattform Molekulare und Kognitive Neurowissenschaften der Universität Basel, der in der Studie eine führende Rolle hatte: „Die Tiere werden in zwei Boxen gestellt. In der einen Box bekommen sie einen leichten elektrischen Schock, in der anderen Box geschieht nichts. Die Erinnerung, in welchem Kontext der Schock verabreicht wurde, kann man später testen, indem man schaut, welche der beiden Boxen die Tiere meiden.“

 

Gedächtnis verbessern

Die Wissenschaftler betonen, bei der Übertragung der Befunde von der Ratte auf den Menschen sei grundsätzlich grosse Vorsicht geboten. „Vergleichende Studien haben aber gezeigt, dass die neurobiologischen Systeme und Mechanismen, die für die Abspeicherung von Erinnerung zuständig sind, bei Nagetieren und Menschen sehr ähnlich sind“, sagt Neurowissenschaftler Vukojevic. Auf der Grundlage ihrer Resultate wollen die Wissenschaftler künftig gedächtnisverbessernde Substanzen entwickeln. Der nächste Schritte in diese Richtung ist eine genauere Untersuchung der identifizierten Gene und der involvierten molekularen Mechanismen. „Hier liegt das Potential, neue 'drug targets' zu identifizieren“, sagt Vanja Vukojevic.

 

Quelle: Sibylle Augsburger, interpharma.ch