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27.11.2018

Angeborene Immunität entschlüsselt

Andrea Ablasser forscht an der ETH Lausanne, wie sich Zellen gegen die Attacken von Krankheitserregern wehren. Im Januar 2019 darf die Medizinerin in Bern für ihre Forschung zur angeborenen Immunität den renommierten Latsis-Preis entgegennehmen.


Latsis-Preisträgerin Prof. Andrea Ablasser, © Severin Nowacki

Das Immunsystem des Menschen sorgt dafür, dass wir uns Viren und andere Krankheitserrger vom Leib halten können. Hierbei wird zwischen einer angeborenen und einer erworbenen Immunantwort unterschieden. Bei der angeborenen Immunantwort handelt es sich um Abwehrmechanismen des Immunsystems, die bereits in der Keimbahn festgelegt wurden, im Gegensatz zu den Abwehrmechanismen der erworbenen Immunantwort, die erst während der Embryonalentwicklung bzw. nach der Geburt definiert werden. Für die Erforschung der angeborenen Immunantwort erhält Prof. Andrea Ablasser von der ETH Lausanne nun den diesjährigen Nationalen Latsis-Preis.

 


Die geborene Deutsche studierte an der Universität München Humanmedizin und promovierte dort in Klinischer Pharmakologie. Über eine Zwischenstation an der Universität Bonn wechselte die Wissenschaftlerin 2014 an die ETH Lausanne (EPFL). „Die EPFL verfügt über eine sehr gute Ausstattung und stellt eine leistungsfähige Infrastruktur für molekularbiologischen Experimente zur Verfügung“, sagt Andrea Ablasser über ihren gegenwärtigen Arbeitsort in der Westschweiz.


cGAS/STING-Signalweg

Im Fokus von Ablassers Forschung steht der sogenannte cGAS/STING-Signalweg. Hierbei handelt es sich um eine Signalkaskade in menschlichen Zellen, die erst vor rund zehn Jahren entdeckt wurde: Dringt in einer Zelle Erbsubstanz (DNA) aus dem Zellkern in die umgebende Zelle, veranlasst der Signalweg über Zwischenschritte die Immunzellen, Viren zu bekämpfen. Dieser Mechanismus ist in der Regel ein wichtiges Instrument, um das Eindringen von Viren in die Zellen abzuwehren. Bisweilen wird dieser Signalweg aber fälschlicherweise aktiviert, etwa durch Stress, Zellalterung oder eine Krankheit. Die irrtümliche Aktivierung kann bei den betroffenen Menschen fatale Folgen wie chronische Entzündungen, Autoimmunkrankheiten und neurogenerative Krankheiten nach sich ziehen.


Andrea Ablasser ist es vor kurzen gelungen, einen Hemmstoff ausfindig zu machen, der bei dem oben genannten Signalweg eine wichtige Rolle spielt. Auf der Grundlage ihrer Erkenntnisse könnte es künftig möglich werden, die negativen Auswirkungen einer irrtümlichen Aktivierung zu unterbinden. Ablasser hat 60'000 potenzielle Wirkstoffe durchkämmt und dabei einen gefunden, mit dem sich der Signalweg dereinst möglicherweise hemmen lassen könnte. „Von einem solchen Wirkstoff bis zu einem Medikament ist ein weiter Weg“, sagt Andrea Ablasser. Zur Zeit wird der Stoffe im Versuch mit Mäusen weiterentwickelt.


Zuhause in der Grundlagenforschung

Für die Entwicklung eines möglichen Medikaments wurde bereits ein Start-up gegründet, an dem Andrea Ablasser beteiligt ist. Die Wissenschaftlerin hat allerdings nicht vor, ihre Forscherkarriere zugunsten einer Tätigkeit als Jungunternehmerin aufzugeben, wie sie sagt: „Ich habe meine Kompetenz in der Wissenschaft, und diese Arbeit macht mir unheimlich viel Spass. Daher will ich mich auch in Zukunft ohne Kompromisse der Grundlagenforschung widmen.“

 

Quelle: www.interpharma.ch, Heiner Sandmeier