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11.02.2019

Alternativen zu Tierversuchen finden

Nicht nur in der Schweiz, auch im Ausland entstehen zur Zeit Einrichtungen, welche nach Alternativen für Tierversuche suchen. Das jüngste Beispiel ist Charité 3R – Replace, Reduce, Refine, eine Einrichtung der Charité – Universitätsmedizin Berlin.


Prof. Dr. Stefan Hippenstiel, Copyright Charité

In Bern hat im März 2018 das Swiss 3R Competence Centre (swiss3rcc.org) seine Arbeit aufgenommen. Die drei R stehen für 'replace', 'reduce' und 'refine', also für die übergreifende Zielsetzung, Tierversuche wo immer möglich zu ersetzen, zahlenmässig zu vermindern und dort, wo die Versuche unabdingbar sind, die Belastung für die Versuchstiere zu verringern. Eine vergleichbare Einrichtung wurde dieser Tage nun in Berlin als Teil des Universitätsspitals Charité eröffnet. Die neue Institution unterstützt den 3R-Gedanken mit Öffentlichkeitsarbeit, Ausbildung von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern und mit der finanziellen Unterstützung von Forschungsprojekten, die alternative Verfahren zu Tierversuchen entwickeln. Erste Fördergelder für Projekte im Bereich Refinement wurden bereits vergeben.

 

Wissenschaftliche Durchbrüche

Prof. Dr. Stefan Hippenstiel, Sprecher von Charité 3R, erläutert, warum die neue Einrichtung gerade jetzt ins Leben gerufen wurde: „Tierversuche haben definitiv sehr zu unserem heutigen Wissensstand von Krankheiten und der Entwicklung vieler Therapien beigetragen. Gleichzeitig sehen wir jedoch, dass uns einige dieser Modelle auch in die Irre führten und sich die Ergebnisse aus den Laboren nicht auf den Menschen übertragen liessen. Deswegen brauchen wir dringend neue, auf menschlichen Zellen und Geweben basierende Methoden, die es uns erlauben, näher an den echten Menschen und seine komplizierte Krankheitssituation heranzurücken.“ Stefan Hippenstiel verweist auf neue wissenschaftliche und technologische Durchbrüche, die in den letzten Jahren gemacht wurden und die die Entwicklung präklinischer, auf menschlichen Zellen basierender Krankheitsmodelle heute „zu einer konkreten und realistischen Perspektive“ machen, wie der ausgebildete Internist und Infektiologe sagt. Dazu gehörten die Entwicklung neuer Techniken zur Zell- und Gewebeisolation, die Erforschung stammzellbasierter Technologien, die die Nachbildung menschlicher Gewebe mittels 3D-Druckverfahren erlauben, die Forschung an Multi-Organ-Chips oder multidimensionale Bildgebungsverfahren. Neben diesen wissenschaftlichen Gründen gilt es laut Hippenstiel auch, im Sinne des Versuchstierschutzes konsequent Alternativmethoden zu entwickeln.

 

Kooperation über die Grenzen hinweg

Der Zeitpunkt für die Umsetzung des 3R-Prinzips sei heute ideal, sagt Stefan Hippenstiel und verweist unter anderem auf die ökonomische Relevanz von alternativen Verfahren, aber auch auf die zunehmende öffentliche Aufmerksamkeit, die dem Thema Tierversuche entgegengebracht wird. Um seine Ziele zu erreichen, strebt Charite 3R die Kooperation mit anderen 3R-Instituten an, wie Stefan Hippenstiel sagt: „Eine enge Vernetzung und Zusammenarbeit ist sowohl mit den in Deutschland entstandenen 3R-Zentren als auch europaweit geplant. Dazu gehören Einrichtungen in der Schweiz, aber auch in Holland oder England.“

 

Quelle: Jessica Wüthrich, www.interpharma.ch